Bist du „Regio“, bist du „Bio“ bist du beides und was will ich?

Heute ist in der Welt am Sonntag ein Artikel erschienen, der sich mit der aktuellen Entwicklung von den sog. Regio-Lebensmitteln beschäftigt. Unter der Überschrift „Missverständnis Regio“ wird hier der Verbraucher mehr oder weniger nüchtern am Beispiel eines bayerischen  Gemüsebauern mit dem Thema konfrontiert. Wer jetzt an eine idyllische Alm, frei laufende Katzenbabys und niedliche Salatfelder denkt ist auf dem Holzweg. Das Titelbild zeigt eine Halle mit hohen Wänden und einem Dach aus Glas. Über den betonierten Boden könnte locker ein Lkw fahren, an den Seiten sind dann aber doch fein säuberlich aufgereihte Tomatenpflanzen zu entdecken. So sieht es also aus, wenn Gemüse in Massen produziert wird.

Regioartikel

Seit vielen Jahren schon finden wir im Supermarkt Lebensmittel die mit den Worten „Regional“ oder „aus der Region“ beworben werden. Viele Verbraucher sind inzwischen auf diesen Zug aufgesprungen und beruhigen über solche Produkte ihr Gewissen. „Ich kaufe nur Regional und Bio“. Klar, keiner will Lebensmittel haben, die „schlecht“ für die Umwelt sind, schon gar nicht bei frischen Lebensmitteln, wie Obst und Gemüse. Der Bio-Hype ist so aktuell wie nie, an jeder ecke sprießen Alnatura-Märkte und Bio-Burger-Restaurants aus dem Boden. Aber: Regio ist nicht gleich Bio! Regio ist nämlich, wenn man es ganz genau betrachtet überhaupt nicht definiert. Während der Gemüseproduzent für die Verwendung des Biosiegels an gesetzlich festgelegte Vorschriften gebunden ist, kann sich jeder Hersteller sein eigenes Regio-Zeichen malen und auf seine Verpackung kleben. Keine Kontrollen, kein einheitliche Definition. Es geht Teilweise sogar so weit, dass Produkte als „regional“ beworben werden, nur wenn die Firma einen Sitz in Deutschland hat. Gerade beim Gemüse sollte man deswegen lieber genauer hinsehen, wo die Tomate oder Gurke ihre Wurzeln hat. Und auch dann liegt wieder die Entscheidung vor einem, die „richtige“ Tomate auszuwählen. Nehme ich die, die mir gut schmeckt? Die die am wenigsten kostet? Die in der besten Verpackung? Die mit dem Biosiegel?

Ich stehe jedes Mal wieder stundenlang vor den Supermarktregalen und frage mich, welche Tomate ich will. Und das obwohl ich mir oft und schon lange meine Gedanken zu diesem Thema mache. Nur weiß ich inzwischen so viel, dass mich all die Informationen nur hindern eine Entscheidung zu treffen, die mit all meinen Prinzipien zusammen stehen kann. Also gut, fangen wir an. Ich möchte Cherry-Tomaten kaufen, schiebe meinen Wagen, mich und meinen Juten Beutel vor das Gemüseregal und werde gleich von leuchtenden Tomaten in allen Größen und Formen angestrahlt. Ich möchte eigentlich eine ökologisch produzierte Tomate. Sie ist frei von chemischen Düngern, hat einen intensiveren Geschmack und ich unterstütze damit einen Biobauern. Klingt doch gut! Aber die Tomate kommt aus Spanien. Sie muss also erstmal zu mir nach Hannover gebracht werden und das ist doch dann wieder schlecht für die Umwelt. Denken wir nur mal an Abgase und Verpackungsaufwand. Hmm, also gucke ich weiter. Daneben liegen Tomaten aus Holland. Ist immerhin näher dran als Spanien. Aber wie kommt es eigentlich, dass die Holländer Tomaten im Februar haben und in meinem Garten liegt noch der Weihnachtsbaum? Ach ja, die geben Millionen Euro aus um ihre Gewächshäuser zu heizen und verbrauchen so Unmengen fossiler Brennstoffe. Da vergeht mir schon der Appetit. Next! Direkt daneben liegen Tomaten aus Deutschland. Eigentlich ist es doch viel besser, wenn meine Tomate nicht so weit gereist ist, besser für die Umwelt, also auch irgendwie bio, und besser für die Qualität, weil sie „frischer“ ist. Außerdem unterstütze ich so die Landwirtschaft in Deutschland. Toll! Die Tomate kommt aus einem Gewächshaus in Bayern, dass nur wegen seiner einzigartigen geografischen Lage sein Gewächshaus nicht beheizen muss und sich auch nur deswegen überhaupt die Produktion von Tomaten im Februar leisten kann. Deswegen findet hier eine Tomaten-Massenproduktion statt, mit speziellen Düngemitteln aus den USA und noch speziellerem Super-Boden mit Kokoszusatz. Also auch importiert. Die Spanier können also die Tomate einfach so pflanzen und bringen sie dann zu uns, oder ich muss mir hier die Mittel importieren lassen um Tomaten anzubauen?

Tomate

Wenn ich jetzt Bilanz ziehen, habe ich doch irgendwie nur die Wahl zwischen „Tomaten, die ich eigentlich nicht mit gutem Gewissen kaufen kann“ und der eigentlich logischen Entscheidung, nämlich zu warten bis meine Tomaten im Garten wachsen und gar keine zu kaufen!

 

 

5 thoughts

      1. Also wäre es am besten zu einem Bauern zu gehen … Und da einzukaufen ..
        Das würde sich garnicht lohnen ich müsste soweit fahren da schade ich der Umwelt mehr mit abgesen xD
        Und klar habe ich verstanden das es um die regionalen Produkte geht , wenn ich auf dem Markt bin kaufe ich mein Gemüse und Obst meistens beim Türken der hat die beste Qualität und die sind meistens garnicht regional (Tomate und Gurken als beispiel )
        In chile ist es ganz anders die kennen nur regional und frisch , keine fertig Sachen und gen food und was es da alles gibt … Das Land hat auch alle Klima Zonen was viele Möglichkeiten in Sachen Anbau an bietet. .. Ich sag immer kommt alle mit nach Chile in Südamerika werden die menschen zu letzten lachen :p die Entwickelung ist so groß und sie setzten auf gesundheit und nicht auf macht und noch mehr macht

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