„Nur noch kurz die Welt retten“

Letzte Woche war ich mit einem Freund in der Stadt unterwegs, ein bisschen bummeln. Am Schluss meinte er dann: „Hey, du hast doch bald Geburtstag, dann suchen wir dir jetzt noch was schönes zum Anziehen.“ Ich habe mich umgeschaut: Primark, Zara, Gina Tricot, h&m. Eigentlich vermeide ich diese Läden inzwischen recht erfolgreich und habe mir angewöhnt, in kleineren Läden, oder fairen Online-Shops nach den richtigen Klamotten zu suchen. Natürlich habe ich noch viele Teile aus anderen Läden, denn leider lässt sich der Kleiderschrank nicht von heute auf morgen, durch neue, faire Stücke ersetzen. Bei mir verläuft dieser Prozess langsam, nach und nach kommen immer neue Sachen dazu. Ich habe dann versucht ihm zu erklären, dass er mir mit irgendwelchen Shirts oder Kleidern aus diesen Läden keine Freude macht. Und schon ging die Diskussion los: „du kannst doch nichts an der Welt ändern“,oder „diese Öko-Sachen sind doch eh nicht so schön“ und „ist doch egal, ob du es braucht, oder nicht.“ Ich habe mich wirklich um Kopf und Kragen geredet, nur um zu erklären, dass es mir aber trotzdem wichtig ist. Dass ich nichts mehr haben will, was ich nicht brauche. Warum muss ich mich auf einmal rechtfertigen, wenn ich für mich Entscheidungen treffe, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann? Ich meine, sehen wir uns doch mal die Lage an.

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Ein Oberteil für 14,90 €, ein Jeans für 9,90 €. Wir haben uns mit der Zeit an diese Preise gewöhnt. Wir haben angefangen, Kleidungsstücke zu horten, tausendfach in unseren Kleiderschränken, ohne Übersicht, nie getragen und sofort wieder vergessen. Ich glaube, jeder kennt dieses Gefühl. Es ist irgendwie ekelhaft. Frau steht vor dem Schrank der an allen Ecken und Enden überquillt und doch findet sie nichts zum Anziehen. Dort ist der Saum nach zwei Mal Tragen ausgeleiert, hier ist schon eine Naht aufgegangen. Egal. Sowas schmeißen wir einfach weg. Nähen? Schon mal gehört? Mir selber ging es sehr lange gar nicht anders. Ständig kam noch etwas Neues dazu, es mussten die angesagtesten Schuhe und die neusten Handtaschen sein. Weiter gebracht hat mich das kein Stück, ganz im Gegenteil. Ich finde es total frustrierend! Ich stehe immer lange vor meinem Schrank und versuche mich zu entscheiden. Aber da ist einfach zu viel Auswahl, als dass es wirklich Spaß macht. Und das schlechte Gewissen, kommt auch noch dazu. Wusstet ihr, dass für eine Jeans im so angesagten „Used Look“ ein Stoff eingesetzt wird, der die Arbeiter in den Fabriken vergiftet? Kaliumpermanganat. Das billige Bleichmittel, das in vielen Fabriken Asiens zum Einsatz kommt, um unseren Jeanshosen, Blusen, Kleider und Röcke herzustellen. Wir hingegen, kriegen nichts mit von den Atmenbeschwerden, den Arbeitsunfällen und der schlechten Bezahlung der Arbeiter. Im Gegenteil, wir Leben im Überfluss und schmeißen so mir nichts, dir nichts alles weg, anstatt es zu reparieren. Immer das neuste Smartphone, Erdbeeren im Februar oder der Billigflug nach Thailand in den Semesterferien.

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Auch bei unserer Ernährung ist es leider nicht anders. Noch immer ist in Deutschland der Fleischkonsum hoch. Allein 630 Millionen Hühner werden bei uns pro Jahr geschlachtet – das ist mehr als in jedem anderen europäischen Land. Weltweit werden 70 % der Agrarflächen für den Anbau von Tierfuttermitteln genutzt. Oft mit der Folge, dass der Boden so stark belastet wird, dass nach einigen Jahren dort nichts mehr angebaut werden kann. Und als wäre das noch nicht genug, wirft jeder Deutsche laut der Universität Stuttgart im Jahr etwa 82 kg Lebensmittel einfach weg. Meinetwegen sind wir Export-Weltmeister, Wirtschaftsmacht und sogar Fußballweltmeister. Aber für dieses Verhalten haben wir ganz eindeutig den letzten Platz verdient. Ohne Trostpreis.  Jeder weiß von der Erderwärmung, aber keiner ändert seinen Lebensstil. Wir sagen uns immer „Was kann ich als kleiner Bürger denn schon dagegen tun?“. Wir bekommen die Folgen unseres Lebensstils schließlich auch nicht zu spüren. Warum ist es uns einfach egal was mit dem Rest der Welt da draußen passiert? Ich finde, es geht uns alle was an!

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Mir ist inzwischen egal, ob irgendwas „in“ ist, ich will einfach gute Qualität. Und dahinter verbirgt sich für mich nun mal auch, wie fair ein Produkt ist. Es muss ja gar nicht alles sein. Natürlich finde ich auch mal Stücke schön, die nicht ökologisch produziert werden. Ich kaufe auch mal Lebensmittel, die nicht Bio sind. Es geht doch nur darum, generell ein Gespür für den eigenen Konsum zu bekommen. Wir müssen hin zu einem sparsameren Verhalten, nicht einfach immer nur haben, haben, haben  und später dann wegwerfen. So sparen wir nicht nur Ressourcen, sondern auch unser Geld. Es ist gar nicht so schwierig mit kleinen Schritten seinen Alltag umzukrempeln und das eigene Verhalten nachhaltiger zu gestalten und seinen ökologischen Fußabdruck kleiner zu machen! Wie das geht und was ihr dafür tun könnt findet ihr hier.

Quellen: BUND, Fleischatlas 2014, Universität Stuttgart

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